«Winds of Change»
Allgemeines zu EUSTORY
EUSTORY bildet derzeit ein Netzwerk aus über 30 Organisationen aus mehr als 20 Ländern. Jede der Mitgliedsorganisationen führt nationale historische Forschungswettbewerbe für Schüler durch, die unabhängig von den jeweiligen Regierungen durchgeführt werden. Diese Geschichtswettbewerbe ermutigen junge Menschen, in ihrer unmittelbaren Umgebung nach Spuren der Geschichte zu suchen. Die Aufgabe von EUSTORY besteht darin, die Geschichte in Europa und darüber hinaus «von unten her» zu betrachten. Seit der Gründung des EUSTORY-Netzwerks im September 2001 auf Initiative der Körber-Stiftung haben sich mehr als 200.000 Jugendliche an den EUSTORY Geschichtswettbewerben beteiligt. Der «EUSTORY Next Generation Summit 2019» ist ein internationales Jugendtreffen, das auf der kritischen Auseinandersetzung mit kontroversen Aspekten der Geschichte basiert. 120 junge Menschen im Alter von 16-25 Jahren aus 30 verschiedenen Ländern nahmen am diesjährigen Treffen teil, die alle einen der EUSTORY-Geschichtswettbewerbe gewonnen hatten. Der diesjährige EUSTORY Summit fand unter dem Thema «Winds of Change – Transitions in Europe» statt und befasste sich mit den Veränderungen, die seit 1989 in Europa stattfanden.
Link zur Bildergalerie: https://www.historycampus.org/2019/picturing-the-summit/
Vorstellung dreier Workshops durch die Teilnehmerinnen
Julia Engel
Allgemeines
Bereits am Dienstagmorgen begannen die Organisatorinnen und Organisatoren des Eustory Summits, den Empfang im Hostel vorzubereiten. Während einige bereits morgens ankamen, schafften es andere gerade noch rechtzeitig zur Begrüssungsveranstaltung ins Humboldt Carré, einer schicken Eventlocation, wo der eigentliche Summit begann. Dort wurden zu Beginn die Ergebnisse der Forschungsgruppe Pew Research über die Einstellung von Europäern zum Fall der Berliner Mauer vorgestellt. Im Anschluss daran fand eine Podiumsdiskussion mit prominenten Gästen aus der Politik, wie der ehemaligen Präsidentin aus Litauen, statt. Damit wurde das Thema des Summits, «Winds of change», bereits eingeleitet, um welches sich in den folgenden Tagen alles drehte.
Während der eigentlichen Arbeitstage, fanden sich alle Teilnehmer in den Workshopgruppen ein, wo unterschiedliche Veränderungen in Europa aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wurde. Jede Gruppe bekam einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem die einen tanzten, die anderen Videos produzierten und nicht zuletzt viel diskutiert und Meinungen, Ansichten und Erlebnisse ausgetauscht wurden. Zwischen den Arbeitszeiten wurde viel und gut gegessen, geredet und Berlin erkundet. Durch das vollgepackte Programm war für jeden etwas dabei und es kam kaum einer um die Augenringe herum, denn im Hostel waren wir meist nur für eine kurze Nacht und ein schnelles Frühstück.
Am letzten Tag des Summits sollte jede Gruppe die Produkte ihrer Arbeit präsentieren, die sehr unterschiedlich ausfielen. So wurden Videos gezeigt, ein Podcast angehört, eine Tanzperformance vorgeführt usw. Die selbstständige Arbeit in Gruppen sah bei jedem Workshop anders aus und somit auch das jeweilige Endprodukt. Wir als Schweizerinnen können unsere persönlichen Erfahrungen aus drei unterschiedlichen Workshops teilen.
Zum Workshop «Digital Storytelling»
Schon bevor die eigentliche Gruppenarbeit im Workshop «Digital Storytelling» begann, traf sich das Reporters- und Editors-Team am ersten Abend, um sich kennenzulernen. Die Neuen, zu denen auch ich gehörte, wurden somit sofort in die Gruppe integriert. Beim Workshop «Digital Storytelling» ist nämlich das Spezielle, dass man einer Gruppe von Leuten beitritt, die sich grösstenteils bereits kennen.
Angekommen in der Alten Börse im Quartier Mahrzahn am nächsten Morgen begannen wir direkt Ideen zu sammeln, über wen oder was wir gerne berichten wollen und mit welchem Medium. Wir teilten uns in kleinere Gruppen auf, wobei die einen ein Video produzierten, andere während des ganzen Summits auf einem Live-Blog über die Ereignisse des jeweiligen Tages berichteten und sich manche mit dem Schreiben eines Artikels beschäftigten.
Sehr unerwartet für mich bekamen wir am ersten Tag Besuch einer Dozentin aus Hamburg. Sie brachte uns ein paar Tools für interaktives Storytelling näher, die wir in unserer Arbeit direkt integrieren konnten. Ausserdem wurden wir von einem Journalisten unterstützt, der uns Tipps gab, stets für Fragen zur Verfügung stand und vor der Veröffentlichung unseren Artikel nochmals anschaute.
Im Workshop «Digital Storytelling» sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, ausser des Zeitlimits von drei Tagen. Anfangs wirkten unsere Projektziele etwas hochgesteckt, doch es stellte sich heraus, dass wir am Freitag alle etwas zu zeigen hatten bei der finalen Präsentation.
Mein persönliches Highlight des Eustory Summits war die Internationalität der Teilnehmenden. Gerade als Reporter des ganzen Summits führte ich mit unterschiedlichen Personen Gespräche über die Geschichte ihres eigenen Landes, wodurch ich von Problematiken und Ereignisse erfuhr, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Man hat selten die Chance, so viele junge Leute aus ganz Europa kennenzulernen. Deshalb kann ich es nur empfehlen, an diesem Summit teilzunehmen, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Geschadet hat es niemandem, nicht mal der Umwelt, denn von der Schweiz gelangten wir mit dem Zug nach Berlin.
Salome Erni
«Crossing Borders» ist der verheissungsvolle Name meines Video-Workshops. Wir gingen Grenzen nach, die Europa heute noch teilen, obwohl der Eiserne Vorhang 1989 fiel. Während der Vorbereitungsphase im September führten wir online eine Diskussion über Grenzen, die wir im Alltag erleben und beschrieben eine persönliche Situation. Die alten oder neuen Mauern, die die Workshop-Teilnehmer wahrnahmen, waren so divers wie ihre Herkunftsländer: Populismus in Russland, Neo-Faschismus in Spanien, Flüchtlinge in Slowenien, Sexismus in Deutschland, Brexit aus irischer Perspektive…
In Berlin kreierten wir in einer Gruppe von sechs Leuten eine eigene Videoinstallation. Wir erhielten viel Freiraum und arbeiteten im Team an unserem Video von den ersten Ideen bis zum finalen Aufhängen der Bildschirme. Begleitet wurden wir von unserem Coach Pavel Franzusov, einem Berliner Künstler und Filmschaffenden, der uns bei unserem Projekt «Crossing Borders» unterstützte. Konzentriert wurde diskutiert, geschrieben, ausprobiert, gefilmt, geschnitten und experimentiert. Basierend auf unseren Vorbereitungen formulierten wir im Video Grenzen, die wir selber erfahren haben und kreierten mithilfe zweier Bildschirme eine Zwei-Spur-Videoinstallation. Der Zeitplan war eng, doch am Ende waren wir unglaublich stolz auf unser Projekt.
Das Ziel «Crossing Borders» wurde erreicht: Nicht nur überwanden wir die Kamera-Nervosität, sondern hatten auch eine gute Zusammenarbeit und verbrachten eine sehr schöne Zeit, die wir kaum so schnell vergessen werden.
Dies war auch mein persönliches Highlight: All die spannenden Diskussionen, neuen Perspektiven und einmaligen Einsichten in für mich fremde Länder und unbekannte Lebensrealitäten. EUSTORY bot mir die Gelegenheit, mich mit interessierten Menschen in meinem Alter über Politik, Studium, Hobbies, Lieblingsessen und Katzenfotos auszutauschen – abseits aller Förmlichkeiten und arrangierten Diskussionen. Ich begegnete vielen wundervollen und interessanten Menschen und bin dankbar für die lustigen Momente, spannenden Gespräche und persönlichen Einblicke (und all die internationalen Köstlichkeiten).
Fazit:
Viel zu schnell ging der EUSTORY Next Generation Summit zu Ende. Obwohl wir uns nur fünf Tage kannten, war der Abschied erstaunlich schwer – zum Glück ist die Kommunikation quer über einen Kontinent hinweg heute durch WhatsApp, Facebook und Co. so einfach!
Der EUSTORY Next Generation Summit ist vollbepackt mit neuen Erfahrungen, inspirierenden Begegnungen und einem kreativen Projekt. Trotzdem gab es in den Kaffee-und-Kuchen-Pausen, während dem Essen, im Hostel oder am Abend genügend Gelegenheiten, mehr über das Leben in anderen Ecken Europas kennenzulernen und zu erklären, dass die Schweizer Hauptstadt nicht Stockholm ist und das Land mehr zu bieten hat als Käse und Banken.
Wir gingen mit einem neuen Blick auf unser Heimatland zurück in die Schweiz und hatten viele Begegnungen und einen grossen Schlafmangel im Gepäck. EUSTORY ermöglicht einen interkulturellen, europäischen Austausch, der viel Spass macht und eine sehr bereichernde Erfahrung ist. Für alle, die die Möglichkeit haben sich zu bewerben, können wir nur empfehlen: «Go for it» und gib Europa eine Zukunft!

Ein Stillbild der Video-Installation «Crossing Borders».
Die «Alte Börse»: ein spannend restauriertes Gebäude als perfekte Umgebung für die Workshops

Stadtführung in Berlin – mit obligatorischem «Trabi»!

Eine Video-Lichtinstallation am Brandenburger Tor symbolisiert den Mauerfall.
Sophia Koll
Der Workshop «eCommemoration Lab» hatte es sich zum Ziel gesetzt, mithilfe digitaler Mittel an das Jahr 1945 bzw. das Ende des Zweiten Weltkriegs zu erinnern. Unsere beiden Leiter ermutigten uns bereits vor Beginn des Summits, Quellen aus unserem persönlichen Umfeld mitzubringen, um eine möglichst hohe Vielfalt an Eindrücken zu erhalten. Bevor wir begannen, wirklich mit diesen Quellen zu arbeiten, diskutierten wir in der grossen Runde, was das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Art und Weise, solcher Dinge zu gedenken, für uns bedeutete. Später teilten wir uns in einzelne Gruppen auf – teilweise allein, teilweise zu zweit bzw. zu dritt – und begannen, unsere Quelle in einem digitalen Projekt zu verarbeiten. Es entstanden Videos, Audio-Dateien, Instagram-Accounts, Bilder und kreative Texte, die zum Schluss auf einer gemeinsamen Website veröffentlicht wurden.
Bereits während des Workshops fand ich es faszinierend, mit Menschen aus so verschiedenen Ländern und Kulturen gemeinsam an einem Tisch zu sitzen und zu diskutieren. Dies setzte sich auch währen der gemeinsamen Mahlzeiten mit allen 120 Teilnehmern fort.
Auch vor und nach den Workshop-Phasen hatten wir viele Gelegenheiten, uns mit den anderen Summit-Teilnehmern auszutauschen. Ob im gemeinsamen Zimmer, auf der Fahrt nach Marzahn zu den «Tagungsräumlichkeiten» oder währen der Besichtigung der Reichstagskuppel – immer war etwas los und es konnte geplaudert werden.
Mein Fazit: Zu wenig Schlaf, zu viel Filterkaffe, ein vom Englisch-Reden schwirrender Kopf aber trotz allem ein einmaliges Erlebnis!